Wirtschaftsinformationen über Serbien
Wirtschaftslage
Serbien befindet sich nach dem Sturz des Milošević-Regimes im Oktober 2000 weiterhin in einer schwierigen politisch-ökonomischen Situation: Die erzielten Wachstumsraten reichten bisher nicht aus, die in den neunziger Jahren infolge von Krieg und Sanktionen erlittenen Verluste auch nur annähernd auszugleichen. Die Produktivität ist aufgrund veralteter Maschinenparks und zu hoher Personalbestände gering. Der Privatisierungsprozess und die Anwerbung ausländischer Direktinvestitionen sollen hier langfristig Besserung bringen. Nach UNDP-Angaben leben rd. 10 % der serbischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Nettoeinkommen pro Monat liegt bei 350 Euro. Dabei sind die vorhandenen, mit guten Grundlagen ausgestatteten Fachkräfte ein gerade für ausländische Investoren interessanter Standortfaktor.
Ein Investitionsanreiz ist die mit 10 % außergewöhnlich niedrige Körperschaftssteuer. Insgesamt wurde der rechtliche Rahmen im Wirtschaftsbereich verbessert, auch wenn die Umsetzung in vielen Bereichen noch Probleme bereitet. Die makroökonomische Stabilität des Landes bleibt insgesamt gewährleistet. Die Inflationsrate stieg allerdings von 6,6 % im Jahr 2006 auf 10,1% in 2007. Die Landeswährung Dinar gibt, von der Nationalbank gesteuert, gegenüber dem Euro nicht mehr nach, sondern gilt derzeit als überbewertet. Der serbische Haushalt verzeichnet für 2006 nominell einen Überschuss.
Wirtschaftsstruktur
Der Anteil privater Unternehmen am BIP liegt bei rd. 46 %, weitere 25 % sind zum Teil in Privatbesitz. Von den ursprünglich rd. 2.500 Unternehmen in staatlichem oder gesellschaftlichem Besitz wurden inzwischen rd. 2.200 privatisiert. Serbien ist bis heute stark landwirtschaftlich geprägt: Die Landwirtschaft trägt noch rd. 20 % zum BIP bei. Die Wachstumsraten werden deshalb nicht unerheblich von über- oder unterdurchschnittlichen Ernteerträgen beeinflusst. Auch in diesem Sektor ist dringender Reformbedarf vorhanden. Es müssen die Produktivität der mehrheitlich kleinen Betriebe gesteigert und internationale Qualitätsstandards eingeführt werden. Der industrielle Sektor (einschl. Baugewerbe, Bergbau, Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft) liegt bei über 30 %, der Dienstleistungssektor noch deutlich unter 50 % des BIP. Die Maschinenparks bedürfen dringend einer Erneuerung, was nur über erhebliche (Auslands)Investitionen möglich ist.
Serbien als internationaler Wirtschaftspartner
Die serbischen Exporte lagen im Jahr 2007 bei 8,825 Mrd. US-Dollar (+ 37,3 %), die Importe bei 18,350 Mrd. US-Dollar (+ 39,3 %). Das Handelsbilanzdefizit stieg damit von 6,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2006 auf 9,525 Mrd. US Dollar (+ 41,2 %). Die Import/Export-Deckungsrate betrug 2007 48,1% (Vorjahr: 48,8%). Die Exportentwicklung ist grundsätzlich positiv zu bewerten, insbesondere wenn man als Grund für die höheren Exporte die bereits erfolgreich durchgeführten Privatisierungen, vor allem im Bereich Stahl- und Tabakproduktion annimmt.
Hauptexportprodukte von Serbien sind Eisen und Stahl, Obst und Gemüse, Nichteisen-Metalle, Gummiprodukte und Textilien. Importiert werden vor allem Öl und Ölderivate, Kraftfahrzeuge, Gas, Industriemaschinen, Elektrogeräte, Stoffe und Textilprodukte.
Serbien exportiert an erster Stelle nach Italien (1,1 Mrd. US-Dollar), es folgen Bosnien und Herzegowina (rd. 1 Mrd. US-Dollar), Montenegro (951 Mio US-Dollar), Deutschland (938 Mio. US-Dollar) und Russland (450 Mio. US-Dollar). Importiert wird am meisten aus Russland (2,63 Mrd. US-Dollar), gefolgt von Deutschland (2,17 Mrd. US-Dollar), Italien (1,78 Mrd. US-Dollar), China (1,35 Mrd. US-Dollar) und Bosnien und Herzegowina (516 Mio. US-Dollar).
Der Umsatz im bilateralen Handel mit Deutschland verzeichnet weiterhin ein hohes Handelsdefizit von rd. 1,2 Mrd. US-Dollar (Vorjahr: 614 Mio US-Dollar). Serbiens Exporte nach Deutschland stiegen in 2007 auf 938 Mio. US-Dollar (+ 42% zum Vorjahr). Deutschland exportierte nach Serbien Waren im Wert von rd. 2,2 Mrd. US-Dollar (+ 50,3 % zum Vorjahr). Deutschland liegt damit auf der Rangliste der wichtigsten serbischen Wirtschaftpartner auf Platz 1 knapp vor Russland und Italien. Das tatsächliche Ausmaß der bereits bestehenden Unternehmenskooperationen dürfte jedoch über diese Volumina hinausgehen, denn viele deutsche Unternehmen nutzen die Kooperation mit Unternehmen vor Ort zur Belieferung von Drittmärkten, was in der Statistik nicht erfasst wird. Auch benutzen viele größere deutsche Unternehmen ihre ausländischen Tochterfirmen für das Engagement in Serbien. Aussagen über die Höhe deutscher Direktinvestitionen sind deshalb zwangsläufig unscharf, dürften sich aber nach Schätzungen der Botschaft seit Oktober 2000 auf rd. 1,1 Mrd. Euro belaufen. Die Engagements von STADA, METRO, Messer Griesheim, Henkel, Tarkett-Bodenbeläge, WAZ-Gruppe, DHL und Xella-Porenbeton (Haniel-Gruppe) sind herausragend. Allein METRO – bislang fünf Märkte in Serbien – hat über 185 Mio. Euro investiert; schon jetzt wurden 1.000 Arbeitsplätze von METRO geschaffen.
Während des Besuchs von Bundeskanzler Schröder in Belgrad im Oktober 2003 wurde der Kooperationsrat Wirtschaft mit Serbien gegründet. Ziel ist es, durch einen kontinuierlichen Dialog zwischen den Regierungen und den Unternehmen die Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen. Kernbereiche sind dabei Banken/Finanzen, Energie, Logistik, Wasserversorgung, Tourismus und Landwirtschaft.
Serbien ist Mitglied der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds, der International Civil Aviation Organisation (ICAO) und regionaler wirtschaftspolitischer Vereinigungen wie Stabilitätspakt, South East Europe Cooperation Process (SEECP), der South East Europe Cooperation Initiative SEECI, CEFTA (Ratifizierung am 24.09.07) und der Donaukommission. Das Aufnahmeverfahren für die World Trade Organisation könnte 2008 abgeschlossen werden.
Im Rahmen des Stabilitätspakts für Südosteuropa ist im September 2007 das die ganze Region umfassende CEFTA-Freihandelsabkommen abgeschlossen worden. Außerdem besteht seit August 2000 ein Freihandelsabkommen mit Russland, das für viele Warengruppen bedeutende Handelsvorteile eröffnet.
Serbien hat den Vertrag zur Gründung der Energiegemeinschaft Südosteuropa zwischen der EU und den südosteuropäischen Ländern am 25.10.05 unterzeichnet. Der Vertrag bildet erstmalig eine rechtliche Grundlage für die Energiezusammenarbeit der Balkanländer untereinander wie auch der EU mit Nicht-Mitgliedstaaten.
Wirtschaftsdatenblatt 2007
Ländername | Serbien (Srbija) | |
BIP (2007) geschätzt | 30,581 Mrd.Euro (Vorjahr: 26,490 Mrd. Euro) | |
BIP/Kopf (2007) geschätzt | 4058 Euro (Vorjahr: 3354 Euro) | |
Wachstum BIP real (2007) | 7,5 % (Vorjahr: 5,8%) | |
Inflationsrate 2007 | 10,1 % (Vorjahr: 6,6 %, 2005:17,7; 2004:13%) | |
Staatshaushalt | Einnahmen: 10 Mrd. US-Dollar | |
Saldo Staatshaushalt | + 200 Mio. US-Dollar | |
Arbeitslosenrate (2007) | 18,8 % (inoffiziell ca. 30 %) | |
Nettodurchschnittseinkommen (2007) | 350 Euro | |
Auslandsschulden (2007) | 26,2 Mrd. US-Dollar | |
davon öffentliche Staatsverschuldung | 9 Mrd. US-Dollar | |
Durchschnittlicher Wechselkurs 2007 | 1 Euro : 80 Dinar; 1 US-Dollar : 58 Dinar | |
Außenwirtschaft (2007) | ||
Importe | 18,350 Mrd. US-Dollar (+ 39,3% zum Vorjahr) | |
Exporte | 8,825 Mrd. US-Dollar (+ 37,3% zum Vorjahr) | |
Handelsbilanzdefizit | 9,525 Mrd. US-Dollar (+41,2% zum Vorjahr) | |
Bilaterale Beziehungen (2007) | ||
Exporte nach Deutschland | 937,5 Mio US-Dollar (+ 42% zum Vorjahr) | |
Importe aus Deutschland | 2169,7 Mio. US-Dollar (+ 50,3% zum Vorjahr) | |
Handelsbilanzdefizit | 1233,2 Mio. US-Dollar (+ 57,16% zum Vorjahr) | |