Wirtschaftsinformationen über Serbien
Wirtschaftslage
Serbien hat die Weltwirtschafts- und Finanzkrise besser überstanden als befürchtet. Die bisher erzielten Wachstumsraten reichen jedoch nicht aus, die in den Neunziger Jahren infolge von Krieg und Sanktionen erlittenen Verluste auch nur annähernd auszugleichen. Das BIP beträgt rd. 68% des jugoslawischen Niveaus von 1989, und es würde bei einer jährlichen Wachstumsrate von 5% noch 10 Jahre dauern, dieses Niveau wieder zu erreichen. Die Produktivität ist aufgrund veralteter Maschinenparks und zu hoher Personalbestände gering. Der überfällige Abschluss des Privatisierungsprozesses und die Anwerbung ausländischer Direktinvestitionen sollten hier Besserung bringen. Nach Angaben der serbischen Regierung leben 8,8% der serbischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Nettoeinkommen pro Monat liegt bei 330 Euro. Dabei sind die vorhandenen, mit guten Grundlagen ausgestatteten Fachkräfte ein gerade für ausländische Investoren interessanter Standortfaktor. Ein Investitionsanreiz ist die mit 10% außergewöhnlich niedrige Körperschaftssteuer.
Wirtschaftsstruktur
Serbien ist bis heute landwirtschaftlich geprägt: Die Landwirtschaft trägt noch rd. 10 % zum BIP bei. Die Wachstumsraten werden deshalb nicht unerheblich von über- oder unterdurchschnittlichen Ernteerträgen beeinflusst. Auch in diesem Sektor ist dringender Reformbedarf vorhanden. Die Produktivität der mehrheitlich kleinen Betriebe muss gesteigert und internationale Qualitätsstandards müssen eingeführt werden. Der industrielle Sektor (einschl. Bergbau, Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft) liegt bei rund 20%, der Dienstleistungssektor (einschl. Baugewerbe, Handel, Verkehr, Finanzen) bei 60% des BIP. Die Maschinenparks bedürfen dringend einer Erneuerung, was nur über erhebliche (Auslands-) Investitionen möglich ist.
Serbien als internationaler Wirtschaftspartner
Die serbischen Exporte lagen im Jahr 2010 bei 7393,4 Mio. Euro (+24,0%), die Importe bei 12621,9 Mio. Euro (+9,7%). Diese hohen Zuwächse bei Ex- und Importen sind jedoch auf den Einbruch im Vorjahr (Exporte -19,7%, Importe -28%) zurückzuführen. Das Handelsbilanzdefizit sank auf 5228,5 Mio. Euro (-5,7%). Die Import/Export-Deckungsrate betrug 2010 58,6%. Die Exportentwicklung war in den vergangenen Jahren positiv zu bewerten, obwohl sie wegen der Wirtschaftskrise 2009 einen Einbruch erlitt. 57,3% der serbischen Exporte gehen in die EU, die Importe Serbiens kommen zu 56,0% aus der Union.
Hauptexportprodukte von Serbien sind Eisen und Stahl, Buntmetalle, Elektrogeräte, Weizen, Obst und Gemüse. Importiert werden vor allem Öl und Ölderivate, Gas, Buntmetalle, Elektrogeräte, Eisen und Stahl.
Serbien exportiert an erster Stelle nach Italien (843,9 Mio. Euro), es folgen Bosnien und Herzegowina (822,1 Mio. Euro), Deutschland (760,2 Mio. Euro), Montenegro (609,2 Mio. Euro) und Rumänien (490,9 Mio. Euro). Importiert wird am meisten aus Russland (1630,5 Mio. Euro), gefolgt von Deutschland (1334,2 Mio. Euro), Italien (1078,8 Mio. Euro), China (904,3 Mio. Euro) und Ungarn (606,9 Mio. Euro).
Der Umsatz im bilateralen Handel mit Deutschland verzeichnet weiterhin ein hohes Handelsdefizit von 574,0 Mio. Euro. (Deckungsrate 56,9%). Serbiens Exporte nach Deutschland stiegen 2010 auf 760,2 Mio. Euro (+21,9% zum Vorjahr). Serbien importierte aus Deutschland Waren im Wert von 1334,2 Mio. Euro (-5,3% zum Vorjahr). Deutschland liegt damit auf der Rangliste der wichtigsten serbischen Wirtschaftspartner auf Platz 1 vor Russland und Italien. Das tatsächliche Ausmaß der bereits bestehenden Unternehmenskooperationen dürfte jedoch über diese Volumina hinausgehen, denn viele deutsche Unternehmen nutzen die Kooperation mit Unternehmen vor Ort zur Belieferung von Drittmärkten, was in der Statistik nicht erfasst wird. Auch benutzen viele größere deutsche Unternehmen ihre ausländischen Tochterfirmen für das Engagement in Serbien. Aussagen über die Höhe deutscher Direktinvestitionen sind deshalb zwangsläufig unscharf, dürften sich aber nach Schätzungen der Botschaft seit Oktober 2000 auf rund 1,5 Mrd. Euro belaufen. Die Engagements von STADA, METRO, Messer Griesheim, Henkel, Tarkett-Bodenbeläge, WAZ-Gruppe, Fresenius, DHL, Xella-Porenbeton (Haniel-Gruppe) sind herausragend. Allein METRO – bislang sechs Märkte in Serbien – hat ca. 120 Mio. Euro investiert; schon jetzt wurden 1.500 Arbeitsplätze von METRO geschaffen.
Wirtschaftsdatenblatt
2010
Ländername | Serbien (Srbija) |
BIP geschätzt | 29,34 Mrd. Euro (Vorjahr: 31,51 Mrd. Euro) |
BIP/Kopf geschätzt | 4016 Euro (Vorjahr: 4304 Euro) |
Wachstum BIP real | +1,8% (Vorjahr: -2,9%) |
Inflationsrate | 10,3% |
Staatshaushalt (für 2011) | Einnahmen: 6,84 Mrd. Euro |
Saldo Staatshaushalt (für 2011) | -1,14 Mrd. Euro |
Arbeitslosenrate | 19,2% (inoffiziell ca. 30%) |
Nettodurchschnittseinkommen | 330 Euro |
Auslandsschulden | 23,7 Mrd. Euro |
davon öffentliche Staatsverschuldung | 9,0 Mrd. Euro |
Durchschnittlicher Wechselkurs | 1 Euro: 103,5 Dinar |
Leistungsbilanz geschätzt | -2,6 Mrd. Euro (-9,0% BIP) |
Außenwirtschaft | |
Importe | 12621,9 Mio. Euro (+9,7% zum Vorjahr) |
Exporte | 7393,4 Mio. Euro (+24,0% zum Vorjahr) |
Handelsbilanzdefizit | 5228,5 Mio. Euro (-5,7% zum Vorjahr) |
Bilaterale Beziehungen | |
Importe aus Deutschland | 1334,2 Mio. Euro (-5,3% zum Vorjahr) |
Exporte nach Deutschland | 760,2 Mio. Euro (+21,9% zum Vorjahr) |
Handelsbilanzdefizit | 574,0 Mio. Euro (-25,3% zum Vorjahr) |